Brandenburger Vorstadt Dachansicht

Stadtgeschichte – Entstehung

Brandenburger Vorstadt / Potsdam-West
Zur Entstehung und zum synonymen Gebrauch der Namen

Als 1786 der Name „Brandenburger Vorstadt“ zum ersten Mal in Karten auftauchte, gab es selbstredend schon die ersten verstreut liegenden Häuser in diesem damals noch ländlichen Gebiet. Affen tobten nur am Affengang herum und von Kängurus gar war noch nicht die Rede. Vielmehr grasten Schafe und Kühe auf den Weiden und gaben dem Schafgraben und dem Kuhtor ihren Namen. Entlang der heutigen Lennéstraße, früher Gärtnerstraße, und des westlich daran anschließenden Ökonomieweges verlief ein uralter Viehtreiberweg in die Feldmark hinein. Der Zimmerplatz markierte schon seit jeher die Gabelung zweier Wege bzw. Straßen: der links verlaufende Weg in Richtung auf (das Kerngebiet von) Potsdam, der rechts verlaufende für das Vieh hinunter zur Havelbucht, die damals noch größere Ausmaße hatte und fast bis an den Luisenplatz heranreichte.

Der Name „Brandenburger Vorstadt“ bezieht sich auf die alte Landstraße nach Brandenburg a. d. Havel (heute Zeppelinstraße, B1), genau so wie auch das Brandenburger Tor (Analogien dazu finden sich in der ursprünglichen Straße nach Nauen, die durch´s Nauener Tor und anschließend durch die Nauener Vorstadt verlief, ebenso geschah es in Richtung Berlin und Teltow. Die Templiner Vorstadt ist dagegen – wie übrigens auch der See – nach der ehemaligen Templiner Heilquelle und dem benachbarten Anwesen Templin benannt).

Zum Zeitpunkt 1786 hatte sich das mittlerweile zur Barock- und Residenzstadt erhobene Potsdam nach 700 Jahren Dornröschenschlaf beträchtlich nach Norden und Nordwesten ausgedehnt, vor allem in Richtung auf den Park Sanssouci hin. An dessen Südrand entstand nun eine dichtere Bebauung vorwiegend mit Gärtnerhäusern, von denen heute noch einige in der Lennéstraße zu sehen sind.

Ein ganzes Jahrhundert später begann die Bebauung desjenigen Wohnviertels, das heute auf geradezu klassische Weise mit dem Namen der Brandenburger Vorstadt verbunden ist und vom Denkmalschutz als „Innere Brandenburger Vorstadt“ bezeichnet wird: das zwischen 1900 und 1912 erbaute Jugendstilviertel in dem Areal zwischen der Hans-Sachs-Straße im Westen, dem Luisenplatz im Osten, der Bahnlinie im Süden und der Lennéstraße im Norden.

Nach dem ersten Weltkrieg folgten der Bau der Gartenstadtsiedlungen „Stadtheide“, „Im Bogen“ und „Sonnenland“, in den 1930er Jahren der Bau der „Friedrichsstadt“ (von der Genossenschaft heute als „Siedlung am Schillerplatz“ bezeichnet), 1971–75 schließlich der Bau der Wohnsiedlung „Potsdam-West“ im Areal Knobelsdorffstraße / Haeckelstraße / Stormstraße.

Einige Jahrzehnte vorher, in den 1950er Jahren, tauchte der Name „Potsdam-West“ zum ersten Mal auf: bei der Eisenbahn, als der monarchistisch klingende Name „Potsdam-Charlottenhof“ dem etwas nüchternen „Potsdam-West“ weichen musste.
(Kleine Anmerkung dazu: Die Charlotte von Charlottenhof ist mitnichten identisch oder verwandt mit Sophie-Charlotte von Charlottenburg. Die Potsdamer Charlotte war eine Vorbesitzerin der Meierei, aus der dann mittels Umbau das spätere Schloss hervorging.)

Im Volksmund hat das kürzere und schlicht nach der Himmelsrichtung benannte „Potsdam-West“ die Oberhand gegenüber „Brandenburger Vorstadt“. Die Stadtverwaltung hält sich heute an den Schafgraben: westlich vom Schafgraben liegt für sie Potsdam-West, östlich davon die Brandenburger Vorstadt. Der Denkmalschutz mit seinem geschichtlichen Zugang versteht unter Brandenburger Vorstadt das ganze Areal von der westlichen Stadtgrenze bis hin zum Luisenplatz, weil auch die Stadtrand-Wohngebiete der 1920er Jahre von ihrer Entstehung her ganz mit dem Namen Brandenburger Vorstadt verbunden sind, keineswegs aber mit der damals noch völlig unbekannten, ahistorischen Bezeichnung Potsdam-West. Auch der Verein hat es bei seiner Gründung so gehalten. Er stellte die häufig benutzte, erst nach dem 2. Weltkrieg entstandene Bezeichnung Potsdam-West hinten an und entschied sich für den treffenden Namen Brandenburger Vorstadt, der den ganzen zeitlichen Bogen der Geschichte abdeckt – von der ersten urkundlichen Erwähnung des Stadtteils vor 221 Jahren bis zum heutigen Tage.

Helmut Krüger, Brandenburger Vorstadt e.V.

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